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Ein Interview mit Stephan Willigens, Supply Network Management Experte

Wenn der "harte Brexit" kommt: Zu Risiken und Nebenwirkungen für Ihr Liefernetzwerk.

Wer sich nicht vorbereitet, den erwarten erhebliche Probleme in seinem Liefernetzwerk vom Lieferanten bis zum Kunden. Handlungstipps zur effektiven Brexit-Vorsorge.

Die zähen Brexit-Verhandlungen könnten auf einen „harten Brexit" hinauslaufen: Den Plan von Premierministerin Theresa May, Großbritannien aus der Europäischen Union, dem Binnenmarkt und der Zollunion hinauszuführen – und stattdessen die Beziehungen über ein Freihandelsabkommen neu zu regeln. Welche Risiken Unternehmen kennen sollten und mit welchen Maßnahmen die Vorbereitung auf den Brexit gelingt, schildert Stephan Willigens, Business Unit Leiter bei der CONCEPT AG.

Herr Willigens, zum Brexit sind mittlerweile unterschiedliche Szenarien in der Diskussion – was allerdings offenbar nichts an der Ergebnislosigkeit der Verhandlungen ändert. Welche Themen müssten denn aus Sicht der Wirtschaft besonders dringend angegangen werden?

Generell gibt es in zweierlei Hinsicht sehr enge Verflechtungen zwischen Unternehmen in der EU und Großbritannien: bei den Warenströmen und natürlich den Mitarbeiter-Teams, die teilweise als Expats im Ausland tätig sind. Für diese Mitarbeiter muss zum Beispiel aktuell geklärt werden, ob sie im Falle eines harten Brexits nun weiter EU-Bürger wären oder nicht oder welchen Status sie überhaupt haben könnten. Neben Expats betrifft das natürlich auch andere Arbeitnehmer und deren Familien, sowohl in Großbritannien als auch in der EU. Doch dazu hat die britische Regierung noch keinerlei Vorschläge gemacht. Gleichzeitig haben Theresa May und andere Vertreter der britischen Seite immer wieder betont, dass ihnen das Szenario eines „No Deal“ lieber wäre, als einen „Bad Deal“ zu ihren Ungunsten auszuhandeln.

Also gibt es aus der Politik offenbar keinerlei Orientierungshilfe für die Wirtschaft …

Nicht im Sinne eines konkreten Plans, nein. Der „harte“ Brexit an sich ist allerdings eine Option, auf die sich Unternehmen durchaus vorbereiten sollten. Denn mit ihm entstünden von heute auf morgen Handelsbarrieren, die die täglichen Warenflüsse massiv einschränken würden. Neben verschärften Grenz- und Warenkontrollen sind zum Beispiel Zollanmeldungen im größeren Stil als Folgen sehr wahrscheinlich. Zudem gehe ich davon aus, dass in diesem Szenario neue, erhebliche Kosten in Form von Steuern oder Abwicklungskosten für Handelstransaktionen auf die Unternehmen zukommen – schließlich muss Großbritannien ja Wege finden, den Brexit zu finanzieren.

Tatsächlich fließt ja die Mehrheit der Warenströme von der EU nach Großbritannien. Welche weiteren Folgen hätte ein harter Brexit hier?

Ein Handelsabkommen, wie von Theresa May ins Gespräch gebracht, wäre unbedingt notwendig. Andernfalls wäre ein Warenexport erst einmal zu behandeln wie bei einem Drittland – womit also die gleichen Prozesse und Aufwände entstünden wie etwa bei einem Export nach Südafrika. Also längere Abwicklungszeiten, mehr Bürokratie durch Dokumentationen oder Zollanmeldungen … aber das beschränkt sich natürlich nicht nur auf die Waren, sondern auch auf die Mitarbeiter. Das geht los bei den Lastwagenfahrern und betrifft ebenso Geschäftsreisen des Managements – Regelungen für Arbeitsvisa oder kurzfristige Aufenthaltsgenehmigungen gibt es ja noch gar nicht für dieses Szenario. Das kann eine Zeitlang in der Unternehmensorganisation ein erhebliches Chaos stiften.

Bis zum offiziellen Austritt am 28. März 2019 wäre ja noch genug Zeit, diese Themen zu klären?

Nein, das trügt. Die Verflechtungen der Wirtschaftsbeziehungen sind bei Mittelständlern und Konzernen derart vielschichtig, dass selbst bei einem „geordneten“ Austritt die Zeit wirklich knapp wird, um alle wichtigen Fragen zu benennen, geschweige denn zu lösen. Schließlich sind sechs Monate keine lange Zeit für standort- und abteilungsübergreifende Entscheidungswege. Aber ob „Deal“ oder „No Deal“, in beiden Fällen gilt: Wer sich nicht auf den Brexit vorbereitet, fällt in ein Umsatz- oder Beschaffungsloch.

Welche konkreten Maßnahmen empfehlen Sie deutschen Unternehmen?

Drei Schritte sind wichtig: Erstens, in einer „Relationship Map“ ganz genau die Verflechtungen und Geschäftsbeziehungen aufzeichnen, die mit britischen Kunden, Niederlassungen oder Handelspartnern bestehen. Schon bei mittelständischen Unternehmen kann das ein komplexes Gebilde sein, da viele Faktoren – Rohstoffeinkauf und -verkauf, Halbfertigerzeugnisse, Vertriebspartner – zu beleuchten sind.

Wenn hierüber Klarheit besteht, ist im zweiten Schritt eine Risikoklassifizierung notwendig. Denn mit dem eben genannten Punkt kommen viele Anschlussfragen auf, die man in einem Überblick sammeln und bewerten sollte: Welche Herausforderungen sind substanziell für den weiteren Ablauf der Geschäftsprozesse? Welche Themen sind zwar wichtig, könnten aber bei einem soften Brexit erst einmal zurückgestellt werden?

Aus beiden Schritten ergibt sich dann - drittens - eine Roadmap, beginnend vom aktuellen Datum zum offiziellen Austrittstermin 2019. Die Roadmap sollte zudem mit Blick auf einen „imaginären“ Tag X, des harten Brexits, aufzeigen, welche Punkte der Risikoplanung konkret von wem bis wann gelöst sein sollen. Desto eher viele oder alle substanziellen Themen geklärt sind, desto besser wird dann auch ein harter Brexit abgefedert. Wir erinnern uns alle an die letzte Krise, Gewinner waren die Unternehmen die einen alternativen Plan hatten und diesen auch umgesetzt haben!


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